Bei politischem Geheimexperiment bevorzugt Facebook die Nachrichten von 100 großen Medienkonzernen

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Ergibt ein soziales Netzwerk, bei dem die eigenen Inhalte nicht mit Freunden und Followern geteilt werden, überhaupt Sinn? Klar doch: Es taugt immer noch zum Gewinnescheffeln, zur Bespitzelung durch den Staat, für Psychospielchen und offenbar jetzt auch noch für politische Manipulationen.

Seit dem Börsengang spielt man bei Facebook an den Algorithmen herum. Ziel ist es, zu verhindern, dass »virale« Inhalte natürlich auftauchen. Stattdessen sollen die Nutzer dafür blechen, ihren Followern Inhalte zu zeigen. Damit ist der einzige Nutzen, den Facebook zu bieten hatte, durch diese gewinnorientierte Strategie zunichte gemacht worden.

Jetzt taugt es offenbar gerade einmal noch als übergroßes Telefon oder als Kurznachrichtendienst. Doch tief unten, im Schatten, ist Facebook noch viel, viel mehr als das.

Mother Jones berichtet, dass Facebook verdeckte politische Experimente mit seinen Nutzern durchgeführt hat. So wurden bei fast zwei Millionen Menschen die Newsfeeds so manipuliert, dass Artikel aus den 100 größten Medienunternehmen prominenter platziert wurden.

So sollte bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen von 2012 die Wahlbeteiligung getestet werden. Die Huffington Post fasst es so zusammen:
»Insgeheim hat Facebook im Vorfeld der Wahlen von 2012 die Newsfeeds von 1,9 Millionen Nutzern derart manipuliert, dass dort mehr Nachrichten aus Politik und Wirtschaft auftauchen, die ihre Freunde geteilt haben.
Diese Veränderung könnte die Wahlbeteiligung um bis zu drei Prozentpunkte gesteigert haben, heißt es in einer nahezu unbekannten Studie, die Mother Jones am Freitag erstmals publik machte.
Für die Studie tauchten Nachrichtenartikel, die Freunde eines Facebook-Nutzers gepostet hatten, höher im Newsfeed auf, also dem Strom von Statusänderungen, Fotos und Artikeln, die auf der Startseite eines Nutzers stehen. Die Forscher wollten untersuchen, ob man eher zur Wahl geht, wenn man im Vorfeld verstärkt Nachrichtengeschichten ausgesetzt wird, die die eigenen Freunde geteilt haben.
Facebook erklärte, die geteilten Meldungen seien allgemeiner Natur gewesen und nicht politisch. Sie stammten aus einer Liste von 100 führenden Medienunternehmen von der New York Times bis hin zu Fox News, heißt es in der Mother-Jones-Geschichte, die von der Bürgerrechtlerin Micah Sifry geschrieben wurde.«
Ein Aspekt ist untergangen in der Berichterstattung über dieses Wählerexperiment, nämlich, wie gefährlich es ist, für politische Zwecke ausschließlich die Meldungen der Leitmedien überzugewichten. Was, wenn so umgestellt wird, dass ausschließlich Nachrichten der Republikaner oder der Demokraten erscheinen? Kann man damit den Wahlausgang beeinflussen?

Schon jetzt weiß man, dass Facebook mit seinem Wissen die Gefühle der Nutzer beeinflussen kann. Wie die Huffington Post schreibt:
»Vier Monate vor Bekanntwerden dieses Wählerexperiments war das soziale Netzwerk wegen eines psychologischen Experiments in die Kritik geraten, das bei etwa 700.000 Nutzern durchgeführt worden war.«
Illegal oder nicht – diese Geheimexperimente werden auch künftig stattfinden. Es ist bekannt, dass Facebook Finanzmittel von In-Q-Tel erhalten hat, einem »nicht gewinnorientierten« Venture-Capital-Unternehmen der CIA. Viele glauben deshalb, dass Facebook ein Datenstaubsauger im Dienste der US-Regierung ist.

Facebook hat sehr deutlich gemacht: Was man in seinem Newsfeed zu sehen bekommt, hängt nicht von den eigenen Facebook-Freunden ab. Das gibt vielmehr das Unternehmen vor. Und Facebook hat vor, auch künftig geheime Manipulationen anzustellen. Beunruhigend ist daran insbesondere, dass das Netzwerk vor allem unsere Emotionen und unsere politische Wahrnehmung ins Visier nimmt.

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